HD-Camcorder: Formate, Infos, Gedanken

18. November 2008 | Von Martin Widmann | Kategorie: Artikel, Camcorder

Ich beschäftige mich schon seit einer Weile mit dem Thema HD-Video. Bis vor einiger Zeit war HDV vorherrschend. Inzwischen hat sich das jedoch geändert. Das neue Schlagwort heißt AVCHD. Wozu das ganze und wo sind die Unterschiede?

HD ist ein Kürzel für das neue High Definition Format bei Fernsehern und Camcordern. Das, was man bisher gekannt hat, heißt nun SD, Standard Definition. Typische SD Camcorder sind die gebräuchlichen MiniDV-Camcorder. Diese nehmen, egal wieviele Pixel der Videosensor auch hat, in einer Auflösung von 720×576 Pixeln auf. Bei HD vervierfacht sich grob die Pixelzahl. Bei HDV wird eine Auflösung von 1440×1080 aufgezeichnet, bei AVCHD je nach Modell ebenfalls 1440×1080 oder die FullHD-Auflösung von 1920×1080 Pixeln.

HDV wurde als Weiterentwicklung des MiniDV-Systems entworfen. Es wird mit gleicher Datenrate wie bei MiniDV auf MiniDV-Kassetten aufgezeichnet. Um die größere Datenmenge speichern zu können wird nicht mehr im DV-Format, sondern in MPEG2 aufgenommen. HDV-Camcorder können typischerweise auch in einen DV-Modus versetzt werden und nehmen dann nur noch in SD-Qualität auf. Sie sind sozusagen abwärtskompatibel.

AVCHD geht einen Schritt weiter. Die Daten werden in H264 aufgenommen. Dies ist ebenfalls eine MPEG-Variante, die jedoch weitaus höher komprimiert als MPEG2. So bekommt man sozusagen in die gleiche Datenmenge mehr Film gepackt. Dadurch sind nun neue Camcorder-Typen möglich geworden. AVCHD-Camcorder “produzieren” einfach Dateien. Diese können auf irgendeinem Medium gespeichert werden. Somit gibt es nun Camcorder, die auf Festplatte, DVD oder Flash-Speicher wie SDHC oder Memory Stick speichern.

Das neue Format hat Vor- und Nachteile. Da der Camcorder Dateien speichert, wird nun jeder Clip separat abgelegt. Eine Szenenerkennung wie bei MiniDV oder HDV ist nicht mehr notwendig. Die Clips können einfach über den Windows Explorer oder Mac OS Finder auf die Computer-Festplatte kopiert werden. Wird bei MiniDV/HDV in Echt-Laufzeit übertragen, so geht das bei AVCHD viel schneller. Je nach Qualität der USB-Schnittstelle des Camcorder oder des Kartenlesegeräts kann man sofort auf die Clips zugreifen.

Der Nachteil des H264 / AVCHD Formats ist jedoch, dass es sehr aufwendig bei der Dekodierung ist. Das bedeutet, dass ältere PCs für diese Aufgabe zu langsam sind. Öffnet man auf einem zu langsamen PC die Dateien, so sieht man keinen Film, sondern bestenfalls eine Art Diashow mit Ton: Es ruckelt.

Für die Wiedergabe von AVCHD-Filmen ist ein DualCore-PC mit neuer Grafikkarte und einer modernen Abspielsoftware wie z.B. Cyberlink PowerDVD 8 Ultra notwendig. Für das Schneiden der Filme ist sogar ein QuadCore das Minimum.

Für den Videoschnitt von AVCHD-Dateien mussten auch die Schnittprogramme erst einmal dazulernen. Hier sah es vor kurzem noch sehr schlecht aus: Es gab wenig Auswahl und die Software war sehr teuer. Nun gibt es eine recht gute Auswahl für den HD-Schnitt. Nennen möchte ich dabei

Bei so viel Aufwand fragt man sich: Wozu das Ganze? Antwort: Weil es besser aussieht. Der Unterschied der Bildqualität zwischen SD und HD ist enorm und auch für einen unkritischen Laien sichtbar. Zumindest am Computer-Bildschirm und auf modernen Flachbildfernsehern. Aber auch wenn man HD-Filme auf guten Röhrenfernsehern anschaut, merkt man den Unterschied. Die Bildqualität ist nun “wie vom TV-Sender”.

Ist mir die gesteigerte Bildqualität bei Spielfilmen noch nicht so wichtig, so freue ich mich bei Familien- und Urlaubs-Video sehr darüber. Es vermittelt einfach mehr ein “wie noch einmal da”-Gefühl.

Weitere Infos gibt es auch bei oneview. Dort bin ich an einer Linkliste alias Netzwerk zum Thema beteiligt. Diese nennt sich Videofilmen.

So weit für heute. Viel Spaß beim Schmökern.

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